4 Tage. 6 Paar Schuhe. Mindestens 8cm Absatz. Null Chance.

Das Mietauto wurde am vergangenen Wochenende nur aus taktischen Gründen bewegt, ansonsten waren wir Fußgänger. Was in der hauptstädtischsten aller Hauptstädte ein tollkühner Akt ist, wird in Dresden eher gemütlich. Raus aus dem Hotel, an der Elbe entlang auf die Augustus-Brücke, rein in die Altstadt, dort Kreise gezogen – stehendsitzendlaufend – und wieder zurück. Dazu kommt noch das “in der Umkleidekabine”-Stehen, das “in der Schlange stehen” und das “nix ver”-stehen. Das ganze mehrmals am Tag.

Am Samstag habe ich die berühmte weiße Flagge gewedelt, keinen Schritt mehr konnte ich gehen. Auch nach dem obligatorischen Pit-Stop beim Coffee-Shop meines geringsten Misstrauens ging nix mehr. Tolle Wurst. Reifen geplatzt, Motorschaden, es raucht gar bedrohlich. Marga Ritari muss in die Werkstatt. Liebevoll schiebt mich mein Herzensmechaniker in die nächsten Deichmann-Filiale und bringt Schuhe um Schuh, einer flacher als der andere. Das muss Liebe sein. Die Ersatzreifen (“Schwarz bitte.” – “Ja wirklich, ohne Absatz.” – “Material ist mir Bohne.” – “AUA!”) gefallen alle nicht und der beste Reisebegleiter von allen feilscht um jedes µ nicht-vorhandenen Absatz.

Wie immer steckt der Teufel im Details: Selten habe ich so viele schöne, bezahlbare Schuhe in meiner Grösse gefunden (bei Deichmann!) – natürlich ausnahmslos hoch. Wer mich kennt weiss, ab 10cm fängt die Sache erst an, Spass zu machen. Bestens.

Während der schöne Mann an meiner Seite mal eben schnell entfleucht, um die Schuhe meiner geringsten Abscheu zu bezahlen, knete ich innerlich fluchend meine Füsse. Gott, ich bin doch Profi. Ich habe Schlimmeres überlebt. Prenzl’berger Kopfsteinpflaster, Spuck- und Kackminen in Mitte, Ostkreuz-Catwalk in der Umbauphase und Treppenrennen in good old Potze. Und jetzt machste schlapp. Wie zur Bestätigung brüllt so eine degenerierte Mutti im Background das sächsische “NU!”. Nicht mal hier hat man seine Ruhe. Danke Gott.

Der Mechaniker schüttelt irritiert und leicht angewidert den Kopf. So (klein) kennt der die Frau Ritari nicht. Um die Situation aufzulockern, regnet es für die nächsten, zwei Stunden neue, liebevolle Spitznamen: Vom klassischen “laufenden Meter”, über das “Standgebläse” bis zur “Geschrumpften” ist alles dabei. Hach, Männer können so kreativ sein, wenn sie nicht den Schaden haben. Lächelnd sehe ich an ihm herunter, besehe seine Turnschuhe. Schön, wenn der Schmerz nachlässt.

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