Wie allen guten Dramen beginnt die Geschichte für meinen aktuellen Sinneswandel hin zum Freibeuterdasein auf einem Gespräch zwischen Mann und Frau.

Ich sprach zum besten aller Motivationstrainer (sinngemäß):

Schatz, es ist gar dringend an der Zeit des Winters weißen Speck abzuwerfen und sich zu recken und zu strecken!
Sinngemäß für: “Lass mal Sport machen.”

Und der Beste antwortete, dass das grundsätzlich eine tolle Idee sei, er hätte da schon was im Sinne.

Und ich freute mich gar fürchterlich, weil die gemeinsame, körperliche Betätigung ja was Feines ist und impliziert “Wer mich schwitzend und keuchend erträgt, der liebt mich auch tatsächlich!”. Ich sah mich also schon im Squash-Court im Röckchen kleine Bällchen ins Eckchen schmettern und baggern und pritschen, als mein Bester mich ein paar Tage später über die von ihm auserwählte Sportart informierte:

Wir gehen segeln. Und er meinte es ernst.

Für mich als ehemalige und begeisterte Hardc0re-Handballerin hat “Bootfahren” im Grundprinzip soviel mit Sport zu tun wie Golf, Schach oder Icecurling. Im besten Fall wenig und ansonsten nix. Im nächsten Moment präsentierte mir mein Bester schon die Unterlagen für einen Wochenendkurs für den Sportbootführerschein See und Sportküstenschifferschein.

Während ich noch amüsiert und zugegebenermaßen dümmlich grinste – Reden und zeigen kann er ja soviel, wie er will – bekam ich postum die Quitting für mein süffisantes Amüsement in Form einer Buchungsbestätigung. Selfown und nun?

Seien wir mal ehrlich. Was da über Tegler-, Schlachten- oder Müggelsee tuckert, hat höchstens Randgruppensexappeal und ist alterstechnisch gesehen “eine sinkende Tide”. Die Situation auf allen berlinnahen Binnengewässern hat nichts – rein garnichts – mit der maritimen Davidoff-Hilfiger-Romantik zu tun, die uns hochdekorierte Werbearschlöcher für den Normalzustand auf den sieben Weltmeeren verkaufen wollen. Was habe ich da zu suchen?

Das fragte mich fast wortgenau auch, als ich zwei Wochen später – am vermutlichst heissesten Wochenende des Jahres – für acht Stunden pro Tag in der Segelschule saß und mit Zirkel und Geodreieck die Navigation übte.

“Was mache ich eigentlich hier?”, murmelte ich sporadisch und besah mich des restlichen Publikums – eine bunte Mischung aus Frauen mittleren Alters in blauen Polohemden, dicklichen BWL-Studenten und wettergegerbten Rentnern, die den Spaß wohl zum 100. Geburtstag von der erbgierigen Baggage geschenkt bekommen haben. Und mein Bester.

Der lächelt so seelig über seine Seekarte der Ostsee gebeugt und zeigte auf Tonnen und bunte Leuchttürme, Seefahrtstrassen und Hafentrassen, dass mir ganz warm ums Herz wurde. Dass natürlich – wie bei allen männlichen Aktivitäten, der Wettkampfwille und eine gehörige Portion “Eier” dazugehören muss, ist klar. Ich darf mich also geflissentlich von dem Gedanken verabschieden, gemütliche Sonnenuntergangsstunden mit Prosecco auf Eis an Deck zu verbringen. Ich werde in den Seilen hängen und bei Windstärke 7 (laut Beaufortskala) in hohem Bogen über die Reling kotzen. Das kann sich auch zum Sport entwickeln.

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5 Responses to Jetzt also Pirat sein – Aha. Wieso denn ditte?

  1. LKAAARRR says:

    Ho Ho Piraten Ahoij

  2. dieKomplizin says:

    …ick freu mir schon aufs gemeinsame fachsimpeln, hängenderweise in der reeling…. :0)))

  3. DarkMaryO says:

    Warum bleibst du nicht beim Handball? Ausdauer-, Kraft- und Techniktraining bringen jeden in Form.
    Ahoi!

  4. Marga says:

    Hallo Mary,

    du hast natürlich Recht! Handball wäre als sportliche Maßnahme das Nonplusultra. Leider scheitert das an meinen alten “Kriegsverletzungen”, an fehlender Zeit (2x die Woche Training und am Wochenende noch n Spiel) und letzendlich auch am Alter. Leider!

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