“Mit dir kann man garnicht ins Kino gehen!”, stöhnen meine Freundinnen im frühen Jahr 1998, als die Strassen und Herzen noch kalt und bitter waren. Wir saßen damals im Kino und weil ich damals wenig bis gar kein Mitspracherecht hatte (gnadenlos überstimmt) in dem Film Titanic mit den bekannten Verdächtigen. Während meine Freundinnen schon im Auftakt mit feuchten Augen nach den Taschentüchern wühlten, hatte ich während des Vorspanns mein Popcorn vertilgt und war unendlich gelangweilt. Amüsant fand ich den Film erst mit dem historischen Untergang und den Tod des Jack – ja das war traurig – aber hey, ich war 16 und ein amoröser Spätzünder.

Heute noch bin ich kinomäßig eher der Action-Typ. Gängige Romantik-Schmachtfetzen jagen wir dicke, pustelige Schauer über den Rücken, was manche Menschen niedlich finden, regt mich zum ungefiltertem Fremdschämen an. Und seitdem ich mir das “Disney-Gender”-Modell zu Gemüte geführt haben, ist das Leben auch nicht mehr das selbe. Narf.

Trotzdem würde ich mich durchaus als romantisch beschreiben.. auf eine verschrobene Art und Weise. Das macht es dem besten von allen Hauptstadtmännern nicht gerade einfach und trotzdem ist er “stets bemüht” meinen vollkommen unrealistischen Vorstellungen von 1:1-Romantik gerecht zu werden. Dabei verzichte ich schon auf jeglich amorös-angehauchte Literatur, mache einen grossen Bogen um schleifige Dinge und höre im allgemeinen Musik, die weniger weichgespült, als beatlastig und grobmotorisch ist.

Überleitung!

Ist es eigentlich meinen lynardskynard’schen Eltern geschuldet, dass ich in frühester Jugend nie mit den Beatles in Berührung gekommen bin? Ist ethisch vertretbar, dass ich keine tiefe, emotionale Verbindung mit diversen Beat-Songs habe und dass ich den Hype um “Let it be”, “Yesterday” (!) und “Hey Jude” nie ganz bis zur Gänze verstanden habe. Wie Musik wie Wartezimmer, im Supermarkt oder Fahrstuhl, die zwar merklich da ist, aber erst auffällt, wenn sie fort ist.

So ähnlich wie mit der Romantik?

Umso merkwürdiger, dass ausgerechnet ein Beatles-Song es schafft, mich innerhalb von Sekunden zu einer rosaglänzendenzuckerwattenwollenen Kitschnudel mit glänzenden Augen, zuckenden Lefzen und seufzenden Lauten mutieren lässt. Ok, nein so ist es natürlich nicht, ihr habt den Rest vom Eintrag ja hoffentlich gelesen.


The Beatles – Norwegian wood

Der einzige Grund für diese Wahl liegt im gleichnamigen Werk des Autoren Haruki Murakami (zu deutsch: Naokos Lächeln) und wer wissen will, warum selbst ich dahinschmelze, der muss es leider lesen.

Was findet ihr romantisch?

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4 Responses to 52 Songs #12: Romantik

  1. dasI says:

    Entzückender Post. Ich kann mit den Beatles (ebenfalls?) nicht viel anfangen. Ok! Man muss wissen, das es sie gegeben hat und das ihre Werke maßgeblich an der “Weiterentwicklung” in der Musiklandschaft beteiligt waren. Aber ich denke das reicht auch.

    Meine Eltern waren ebenfalls – wie alle in ihrer Zeit – von den Beatles besessen. Das habe ich nie verstanden. Genau so wenig verstehe ich Deine Songwahl. Deshalb gebe ich an dieser Stelle auf und setze das Buch auf meine Wunschliste, um es später zu kaufen und zu lesen. Vielleicht verstehe ich es dann. (:

  2. Resi says:

    Wow, es ist wirklich amüsant, dir “zu zulesen”. Es gibt aber dneke ich immer irgendwo irgendeinen Song oder Buch oder Bild, das so berührt, obwohl man sonst nicht der Typ dafür ist.

  3. AdPoint GmbH says:

    Hallo Marga,

    danke für diesen sehr gelungen Beitrag. Das ist ein wirklich schöner Artikel, der sehr schön geschrieben ist. Völlig nachzuvollziehen, warum du dich bei Titanic gelangweilt hast. Jeder hat doch mal das Gefühl, dass man das was alle anderen lieben einfach nicht das seine ist.

    Liebe Grüße, Felix von AdPoint

  4. Makler Winni says:

    Ich bin zufällig über diesen interessanten Blog gestolpert. Ich freue mich darauf, in Zukunft weitere Artikel zu lesen.

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